FÖRDERUNG DER KINDLICHEN SPRACHENTWICKLUNG

 

Ihr Kind spricht gerne

Der häuslichen sprachlichen Förderung kommt bei Kindern mit sprachlichen Auffälligkeiten eine besondere Rolle zu. Nicht immer ist gleich eine logopädische Therapie notwendig. Häufig ist eine spezielle häusliche Unterstützung schon ausreichend.

So fördern Sie die Sprachentwicklung Ihres Kindes:

  • Versuchen Sie, sich regelmäßig mit Ihrem Kind in Ruhe zu unterhalten,
    richten Sie eine Gesprächszeit ein
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind, mit gleichaltrigen Kindern zu spielen
  • Spielen Sie mit Ihrem Kind altersgemäße Spiele, z. B. Memory oder Baukasten
  • Gestatten Sie Ihrem Kind, eigenständige Lösungen und Aufgaben zu finden
    und sie auszuprobieren, damit es selbstständig wird
  • Lesen Sie Ihrem Kind regelmäßig vor – lassen Sie sich beim Erzählen von
    Geschichten helfen
  • Singen Sie Ihrem Kind Lieder vor und sprechen Sie mit ihm kleine Reime

Hören Sie Ihrem Kind aufmerksam zu
Kinder brauchen gute Zuhörer, um zu erleben dass die Mitmenschen offen sind für ihre Kommunikation und dass ihre Sprechbemühungen Interesse auslösen. Die deutlichste Form eine Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, ist der Blickkontakt. Wenn Sie Ihr Kind anschauen signalisieren Sie ihm, dass Sie Interesse haben mit ihm zu reden bzw. zu verstehen was es Ihnen sagen möchte. Außerdem braucht das Kind, wenn es noch sehr klein ist den Blickkontakt, um Ihre Äußerungen anhand der begleitenden Mimik und Gestik leichter verstehen zu können und um sich Lippen- und Mundposition für die richtige Aussprache „abzugucken“.
• Sie sind Sprachvorbild!
• Aussprechen lassen
• Geben Sie dem Kind genug Zeit zum Sprechen und nehmen auch Sie sich selbst Zeit zum Aussprechen.
• Führen Sie „Selbstgespräche“
• Das sprachgestörte Kind braucht viele Sprachanregungen. Es lernt sprechen, indem es die Lautäußerungen seiner Umwelt nachahmt.
• Beschreiben Sie die Gegenwart des Kindes als das, was Sie zusammen sehen!
• Kleiden Sie das was Sie selber tun in Worte!
• Kommentieren Sie die Situation!

Beschreiben Sie die Handlungen und Gefühlt des Kindes
Das Kind lernt das eigene Verhalten und Erleben auszudrücken, indem es von Ihnen die hierfür notwendigen Begriffe und Redewendungen kennenlernt:
• „Versprachlichen“ Sie was das Kind tut. Zum Beispiel: „Du ziehst dich an.“
• „Versprachlichen“ Sie die Empfindungen und Gefühle Ihres Kindes. Zum Beispiel: „Ja, das ärgert dich, dass du das Hemd nicht einfach über den Kopf ziehen kannst.“

Nicht unterfordern – nicht überfordern
Wenn Sie ein Kind sprachlich fördern wollen, dürfen Sie es weder über noch unterfordern. Sprechen Sie verständlich: Das betrifft die Wortwahl, den Satzbau und die Länge der Sätze.

Nehmen Sie auch fehlerhafte Äußerungen des Kindes unbefangen an
Wenn Sie die Äußerung des Kindes verstehen, egal wie fehlerhaft sie noch ist, gehen Sie darauf ein. Reagieren Sie auf den Inhalt, nicht auf die Form. Das Kind lernt durch das eigene Sprechen. Je mehr Sprechfreude es entwickelt, desto mehr wird es sein Sprechen üben und verbessern können.

Wiederholen Sie selber korrekt, was das Kind fehlerhaft gesagt hat (Corrective Feedback)
Dies ist im Rahmen der Sprachförderung von großer Bedeutung und wird von Sprachtherapeuten systematisch angewandt. Es geht darum, die „unvollkommene“ bzw. fehlerhafte Äußerung des Kindes richtig zu wiederholen und zwar unmittelbar nach der kindlichen Äußerung, so dass sie in einem Sinnzusammenhang eingebettet ist.

Schaffen Sie sich Verbündete
Die Oma und den Onkel, die Schwiegermutter und die Geschwisterkinder, die Erzieherin oder die Praktikantin sollten Sie informieren, welche Schwierigkeiten das Kind im sprachlichen Bereich hat und wie Sie damit umgehen. Um das Kind optimal zu fördern, sollten alle an einem Strang ziehen.

Singen, tanzen und klatschen Sie
Melodie und Rhythmus bestimmen die Musik wie auch die Sprache. Lieder und Gedichte haben im Vergleich zur gesprochenen Sprache einen besonders deutlichen Rhythmus. Dadurch fördern sie die Sprachentwicklung von Kindern. Singen, Gedichte/Reime, Fingerspiele, Wort und Buchstabenspiele fördern sprachliche Fähigkeiten. Mundmotorische Übungen Verbessern die Muskulatur und Sensorik der Sprechwerkzeuge.

Sprachliches Vorbild
Kinder orientieren sich an den Sprachvorbildern ihrer Umwelt. Reflektieren Sie daher ihr eigenes Sprachverhalten sorgfältig:
• Richten Sie Ihre Sprache nach dem Sprachniveau des Kindes aus, bzw. „eilen“ Sie diesem leicht voraus
• Sprechen Sie in ganzen Sätzen
• Verwenden Sie eindeutige Wörter – sprechen Sie sich mit anderen ab
• Achten Sie auf eine deutliche Aussprache
• Behalten Sie bei all dem ein natürliches Sprachverhalten bei
• Sprechen Sie selbst lebhaft und engagiert, gehen Sie spielerisch mit Sprache um

Gespräche führen
Das Kind sollte aktiv in das Gespräch eingebunden sein, also auf das reagieren können, was Sie sagen, und erleben, dass seine Gesprächsbeiträge wiederum eine Reaktion bei Ihnen auslöst. Sprechen Sie das Kind an, auch, wenn dieses u.U. anfangs nur durch Körpersprache reagiert
• Drängen Sie das Kind nicht zum Sprechen.
• Schaffen Sie ein sprachanregendes Klima. Sprachanregend sind alle Situationen, die „unfertig“ sind, deren Ablauf nicht vorgegeben ist, die Fragen aufwerfen, Erstaunen auslösen etc.
• Greifen Sie Themen und konkrete Erfahrungen der einzelnen Kinder auf.Wenn ein Kind Ihnen z.B. ein Bild zeigt, sagen sie nicht einfach: „Oh, schön!“ sondern fangen Sie ein Gespräch darüber an. Fragen Sie nach, erzählen Sie selbst etwas dazu.
• Fragen Sie die Kinder nach ihren Erlebnissen: Was hast Du gestern Nachmittag zu Hause gemacht?

Verbesserung von Hörreizen:
• Dosen mit unterschiedlichen Materialien füllen
• Lauschen Sie auf Geräusche in Ihrer Umgebung
• Gegenseitig Geräusche vormachen machen und raten
• Verstecken Sie einen „tickenden Wecker“ oder „sich selbst“

Verbesserung der Merkfähigkeit:
• Koffer packen
• Einkaufen spielen (richtige Reihenfolge merken lassen)
• Finger- und Reimspiele

Ihr Kind mag es mit Ihnen zu spielen. Es hat Freude am Spiel.

Was man nicht tun sollte!
• Nicht korrigieren!
• Nicht nachsprechen lassen!
• Nicht kritisieren, nicht bestrafen!
• Keine Anweisungen geben, auf welche Art und Weise das Kind sprechen soll!

Entdecken Sie Ihre eigene Freude an Sprache – leben Sie sie den Kindern vor.

So unterstützen Sie Ihr Kind dabei, Sprache zu verstehen und anzuwenden.